Falk Döring Randonneur Journal
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TCRNo12 – 02 – Das Rad: Plan B, der keiner ist

5. Juli 2026 · Transcontinental Race · Material · Setup · TCR · Bikepacking

Für das Transcontinental Race 2025 hatte ich mir eigentlich ein neues Rad aufgebaut. Kein Schnellschuss, kein hektisches Projekt kurz vor knapp, sondern ein Aufbau, der schon relativ früh feststand. Der Entschluss, das TCR zu fahren, war ja schon lange da. Also war auch genug Zeit, sich Gedanken zu machen, was dieses Rad können muss.

On-One Space Chicken SRAM Rival 1 650B
On-One Space Chicken SRAM Rival 1 650B. Bildquelle: 99 Spokes.

Ich habe mich damals für einen Rahmen entschieden, den ich schon lange im Auge hatte: den GRARO von TriAero. Den Rahmen hatte ich zu dem Zeitpunkt bereits zweimal aufgebaut und war eigentlich ziemlich überzeugt davon. Viele Anbaumöglichkeiten, eine für mich passende Geometrie, eher Endurance als Race, gestreckt, bequem, aber trotzdem nicht schwerfällig. Also im Grunde genau das, was ich mir für so ein Rad vorgestellt habe: langstreckentauglich, belastbar, leicht genug und flexibel genug für ein Rennen wie das TCR.

Und das Rad ist auch souverän gefahren. Eigentlich.

Nur hatte ich seit ungefähr einem halben Jahr ein Knacken im Rad. Und wer schon mal ein Knacken am Fahrrad gesucht hat, weiß: Das kann einen komplett wahnsinnig machen.

Man fängt natürlich mit den Dingen an, die am wenigsten Aufwand bedeuten. Pedale raus, fetten, wieder rein. Sattelstütze raus, sauber machen, fetten, wieder rein. Steuerlager anschauen. Steckachsen kontrollieren. Dann wird es schon etwas aufwendiger: Naben auseinanderbauen, fetten, prüfen, ob irgendwo Spiel ist. Gepäckträger abschrauben, alles sauber machen, wieder montieren. Flaschenhalter, Taschenhalter, Lenker, Vorbau, Sattel, Kurbel, Kettenblatt, Tretlager.

Im Grunde habe ich das Rad einmal komplett auseinandergebaut und wieder zusammengebaut.

Das Knacken war immer noch da.

Also nochmal von vorne. Was habe ich übersehen? Was habe ich falsch gemacht? Kettenblatt nochmal runter. Kurbel nochmal raus. Alles nochmal kontrollieren. Wieder zusammenbauen. Wieder fahren. Wieder knacken.

Irgendwann blieb eigentlich nur noch das Tretlager übrig. Genauer gesagt nicht das Lager selbst, sondern die Aufnahme im Rahmen. Beim GRARO sitzt das T47-Tretlager in einer Aluhülse, die in den Carbonrahmen eingeklebt ist. Und genau diese Klebestelle hat sich auf der rechten Seite gelöst. Das Ergebnis: dauerhaftes Knarzen unter Last.

Damit war die Sache dann leider klar. Der Rahmen ist im Grunde ein Totalschaden.

Garantie ist noch drauf. Darum kümmere ich mich nach dem TCR. Aber für das Rennen selbst war das keine Option mehr. Drei, vier Wochen vor dem Start noch auf eine Reklamation, Ersatzrahmen oder irgendeine saubere Lösung zu hoffen, ist einfach unrealistisch. Also musste eine andere Lösung her.

Zum Glück stand da noch mein On-One Space Chicken.

Das Rad war eigentlich wieder komplett als Gravel aufgebaut. Schon etwas betagt, aber über viele Jahre ein treuer Begleiter. Mit dem Rad bin ich viele Radreisen gefahren. Vor vier, fünf Jahren war das im Grunde mein Traumrad. Und jetzt musste es eben nochmal auf die Showbühne.

Also habe ich angefangen, das TCR-Setup vom GRARO auf das Space Chicken umzubauen.

Erst einmal kamen die relevanten Teile rüber. Dann habe ich den Lenker getauscht, weil ich schmaler fahren wollte und weil die Auflieger sauber montiert werden mussten. Durch das Bikefitting wusste ich inzwischen ziemlich genau, wo ich hinmuss: Der Abstand nach vorne war zu groß, ich musste ungefähr zwei Zentimeter zurück. Außerdem war mir das Rad insgesamt zu tief.

Dadurch kam jetzt auch ein Teil zum Einsatz, das ich am GRARO gar nicht sinnvoll verbauen konnte: ein Redshift Suspension Stem. Beim GRARO ist durch die integrierte Kabelführung vieles eingeschränkt. Am Space Chicken ist das viel einfacher. Also kam der Redshift-Vorbau dran.

Und das war ehrlich gesagt eine richtig gute Entscheidung.

Ich habe jetzt vorne eine leichte Federung im Cockpit. Nicht nur beim normalen Fahren, sondern auch auf den Aufliegern. Das Fahrgefühl ist deutlich angenehmer. Gerade auf schlechten Straßen oder langen Tagen, wenn Hände, Schultern und Nacken irgendwann anfangen zu nerven, ist das ein echter Vorteil. Das ist kein Spielzeug, sondern für so ein Rennen ziemlich sinnvoll.

Dann kam das nächste Thema: der Adventure Hydration Tank.

Ich wollte den Tank unbedingt fahren, weil mir das Konzept sehr gut gefällt. Dafür braucht man aber eine gewisse Einbaubreite an der Kurbel. Die ursprünglich verbaute SRAM-GXP-Kurbel am Space Chicken war dafür zu schmal. Am eigentlichen TCR-Rad hatte das Setup funktioniert, also war klar: Ich muss die Kurbel übernehmen.

Das bedeutete aber auch: anderes System. Weg von SRAM GXP, hin zu SRAM DUB.

Also passendes DUB-Innenlager für das Space Chicken besorgt, die SRAM-Red-Kurbel aus dem GRARO ausgebaut und am Space Chicken montiert. Das hat funktioniert. Jetzt passt der Adventure Hydration Tank. Und oben drüber passt sogar die Tasche noch gerade so rein. Ich brauche also nicht einmal eine neue Tasche.

Damit kann ich im Grunde das komplette Setup fahren, das ich auch auf dem anderen Rad gefahren wäre.

Interessanterweise fühlt sich das Space Chicken inzwischen sogar besser an, als ich erwartet hatte. Rückblickend vielleicht sogar besser als das GRARO. Das Rad ist etwas kompakter, etwas wendiger und wirkt insgesamt stabiler. Beim GRARO war ich mit Gepäck vorne und hinten bergab nie hundertprozentig entspannt. Gerade wenn es schneller wurde, so ab 50 bis 60 km/h, hatte ich nicht dieses komplett ruhige Gefühl im Rad. Beim Space Chicken wirkt das bisher stabiler und souveräner. Es fühlt sich kompakter an, etwas wendiger, aber gleichzeitig nicht nervös.

Auch technisch ist das Rad jetzt auf dem Stand, den ich fahren möchte. Es ist auf die Schaltung umgebaut, die ich auch am TCR-Rad geplant hatte: SRAM GX Eagle 12-fach mit 10-50 Kassette hinten und vorne jetzt 46 Zähne auf der SRAM-Red-Kurbel. Für das TCR ist das für mich eine sehr gute Kombination. Genug Bandbreite für lange Anstiege, aber trotzdem noch ausreichend Übersetzung, wenn es rollt.

Unterm Strich bin ich mit der Lösung inzwischen ziemlich zufrieden.

Was anfangs wie ein Notfallplan aussah, fühlt sich gar nicht mehr wie ein Nachteil an. Im Gegenteil. Ich habe jetzt ein Rad, das erprobt ist, das nicht knackt, das stabil mit Gepäck läuft, auf dem der Tank passt und das vorne sogar noch etwas Komfort durch den Redshift-Vorbau bekommen hat.

Klar, den kleinen Aerovorteil des GRARO gebe ich damit auf. Aber ganz ehrlich: Für das TCR ist mir im Zweifel wichtiger, dass ein Rad zuverlässig funktioniert. Kein Knacken. Kein ungutes Gefühl bergab. Keine Zweifel am Rahmen. Kein Gedanke im Hinterkopf, ob sich da gerade wieder irgendwas löst.

Das Space Chicken war schon früher ein treuer Begleiter.

Jetzt bekommt es nochmal eine große Aufgabe.

Und ich habe ein ziemlich gutes Gefühl dabei.