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TCRNO12 – Tag 17: Bis zum Fuße des letzten Parcours
ich hab jetzt die ersten 100 km hinter mir – langsam wird’s wieder warm, noch ungefähr 40 km bis zur großen Brücke. Ich arbeite seit heute Morgen an einem kleinen Text, bei dem für mich die Fallhöhe recht hoch ist 😂. Deswegen muss ich etwas genauer arbeiten. Ich hoffe, euch gefällt dieser kleine Exkurs in meine kleine Finanzwelt.
Es gibt noch ein Thema, das mich durch meinen Beruf immer wieder beschäftigt: Geld.
Als IT-Leiter bei einer Bank bekomme ich viele Dinge mit, die im Hintergrund unseres Finanzsystems ablaufen. Deshalb fand ich es spannend, auf dieser Reise auch einmal einen Blick auf die Währungen der einzelnen Länder zu werfen.
Für uns gehört Geld ganz selbstverständlich zum Leben. Ein Wirtschaftssystem ohne Geld haben die meisten von uns nie kennengelernt. Umso spannender finde ich die Frage, warum dieses System eigentlich funktioniert. Wir tauschen einen Teil unserer Lebenszeit gegen Geld – weil wir arbeiten – und vertrauen darauf, dass wir uns damit später Essen, Trinken, eine Unterkunft oder alles andere kaufen können, was wir zum Leben brauchen. Am Ende basiert unser gesamtes Geldsystem auf genau diesem Vertrauen.
Ich persönlich bin ein großer Befürworter der Europäischen Union und einer möglichst engen wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Der Euro gehört für mich ganz klar dazu. Nicht nur als politisches Projekt, sondern ganz praktisch: Er macht Preise vergleichbar und erspart einem das ständige Wechseln und Umrechnen. Gerade unterwegs nervt es einfach, wenn man in jedem zweiten Land wieder überlegen muss, was etwas eigentlich kostet und wie viel Bargeld man noch braucht.
Auf dem Transcontinental Race bin ich durch 14 europäische Länder gefahren. Gerade einmal in fünf davon konnte ich mit dem Euro bezahlen – und zwei dieser fünf Länder gehören nicht einmal zur Europäischen Union. In den übrigen neun Ländern musste ich eine andere Währung nutzen oder zumindest ständig umrechnen.
Das finde ich ehrlich gesagt schade. Wir sprechen viel von einem gemeinsamen Europa, aber bei etwas so Alltäglichem wie dem Bezahlen endet diese Gemeinsamkeit noch immer an vielen Grenzen. Gleichzeitig habe ich auf meiner Reise gemerkt, dass die Wirklichkeit viel spannender ist als eine einfache Aufteilung in Euro und Nicht-Euro. Manche Länder halten bewusst an ihrer eigenen Währung fest. Andere nutzen den Euro, obwohl sie weder zur Europäischen Union noch zur Eurozone gehören. Und wieder andere haben ihre eigene Währung so eng an den Euro gebunden, dass sie wirtschaftlich beinahe bereits Teil dieses Währungsraums sind.
Wie so oft gibt es auch diesmal wieder zwei Teile. Bis hierhin war es der allgemeine Teil. Ab jetzt wird es etwas finanznerdiger. Wer darauf Lust hat, liest einfach weiter.
🇳🇴 Norwegen – Norwegische Krone (NOK)
Norwegen ist zwar eng mit Europa verbunden, gehört aber nicht zur Europäischen Union und hat deshalb ganz selbstverständlich seine eigene Währung. Die norwegische Krone ist weder durch Gold noch durch Öl gedeckt. Ihr Wert beruht – wie bei fast allen modernen Währungen – auf dem Vertrauen in den norwegischen Staat und seine Wirtschaft. Dieses Vertrauen hat allerdings ein außergewöhnlich starkes Fundament. Norwegen hat einen großen Teil seiner Einnahmen aus Öl und Gas über Jahrzehnte nicht ausgegeben, sondern im größten Staatsfonds der Welt angelegt. Dieses Vermögen gehört letztlich der norwegischen Bevölkerung und stärkt das Vertrauen darin, dass Norwegen seine Verpflichtungen auch langfristig erfüllen kann.
🇸🇪 Schweden – Schwedische Krone (SEK)
Auch Schweden hat bis heute seine eigene Währung. Dabei ist Schweden seit 1995 Mitglied der Europäischen Union und hat – anders als Dänemark – keine vertragliche Ausnahme vom Euro. Grundsätzlich soll das Land den Euro irgendwann einführen. Einen Termin gibt es aber bis heute nicht, weil sich dafür bislang keine politische Mehrheit gefunden hat. Fast noch spannender ist der Umgang der Schweden mit Bargeld. Der Zahlungsverkehr ist inzwischen beinahe vollständig digital. Nur noch ein kleiner Teil aller Einkäufe wird überhaupt bar bezahlt. Inzwischen wird das fast schon wieder zum Problem. Die schwedische Zentralbank empfiehlt den Menschen mittlerweile sogar, wieder etwas Bargeld zu Hause aufzubewahren – für den Fall, dass digitale Zahlungssysteme einmal ausfallen.
🇵🇱 Polen – Złoty (PLN)
In Polen bezahlt man mit dem Złoty. Obwohl Polen seit 2004 Mitglied der Europäischen Union ist und sich grundsätzlich zur späteren Einführung des Euro verpflichtet hat, gibt es dafür bis heute weder einen Termin noch die notwendige politische Mehrheit. Mit dem Złoty behält Polen die Kontrolle über seine eigene Geldpolitik. Zinsen und Wechselkurs können damit an die wirtschaftliche Entwicklung des Landes angepasst werden. Übrigens bedeutet Złoty übersetzt schlicht „der Goldene“. Der Name stammt aus einer Zeit, in der Gold den Wert des Geldes bestimmte. Heute erinnert nur noch der Name daran.
🇨🇿 Tschechien – Tschechische Krone (CZK)
Auch Tschechien ist Mitglied der Europäischen Union, bezahlt aber weiterhin mit der Tschechischen Krone. Wie Polen hat sich das Land grundsätzlich zur Einführung des Euro verpflichtet, bisher jedoch keinen Termin festgelegt. Für viele Tschechen steht die Krone nicht nur für Geld, sondern auch für wirtschaftliche und politische Eigenständigkeit. Schließlich entstand sie erst 1993 nach der friedlichen Teilung der Tschechoslowakei. Koruna bedeutet übrigens einfach „Krone“. Damit gehört sie zu einer ganzen Familie europäischer Kronenwährungen.
🇸🇰 Slowakei – Euro (€)
Die Slowakei führte den Euro 2009 ein. Zuvor wurde mit der Slowakischen Krone bezahlt, die erst 1993 nach der Teilung der Tschechoslowakei entstanden war. Damit war die Slowakische Krone gerade einmal rund 16 Jahre im Umlauf, bevor sie bereits wieder durch den Euro ersetzt wurde.
🇭🇺 Ungarn – Forint (HUF)
In Ungarn bezahlt man mit dem Forint. Auch Ungarn ist Mitglied der Europäischen Union, hat den Euro bisher aber nicht eingeführt. Die Geschichte des Forint zeigt besonders eindrucksvoll, warum Vertrauen für Geld so wichtig ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Ungarn die stärkste jemals dokumentierte Hyperinflation. In der schlimmsten Phase verdoppelten sich die Preise ungefähr alle 15 Stunden. Mit der Einführung des Forint begann praktisch der Neustart des ungarischen Geldsystems.
🇭🇷 Kroatien – Euro (€)
Kroatien führte den Euro erst Anfang 2023 ein. Davor war die Kuna die Landeswährung. Kuna bedeutet „Marder“. Tatsächlich wurden Marderfelle im Mittelalter in dieser Region als Zahlungsmittel genutzt. Ein Stück mittelalterlicher Geschichte lebte also bis vor wenigen Jahren noch im Namen der kroatischen Währung weiter.
🇧🇦 Bosnien und Herzegowina – Konvertible Mark (BAM)
Die Konvertible Mark ist für mich eine der spannendsten Währungen dieser Reise. Nach dem Bosnienkrieg brauchte das Land möglichst schnell wieder Vertrauen in seine Wirtschaft. Als Anker wählte man deshalb die Deutsche Mark. Sie galt über Jahrzehnte als eine der stabilsten Währungen Europas. Die neue Konvertible Mark wurde deshalb im Verhältnis 1:1 an die D-Mark gekoppelt. Mit der Einführung des Euro wanderte diese Bindung automatisch mit. Deshalb gilt bis heute der feste Kurs: 1 Euro = 1,95583 Konvertible Mark. Bosnien und Herzegowina arbeitet mit einem sogenannten Currency Board. Vereinfacht bedeutet das: Die Zentralbank kann nicht einfach neues Geld schaffen. Hinter jeder ausgegebenen Konvertiblen Mark stehen entsprechende Euro-Reserven. Damit verzichtet das Land zwar weitgehend auf eine eigene Geldpolitik, gewinnt dafür aber genau das, was nach einem Krieg am wichtigsten war: Vertrauen.
🇷🇸 Serbien – Serbischer Dinar (RSD)
In Serbien bezahlt man mit dem Dinar. Der Name wird dort bereits seit dem Mittelalter verwendet und geht letztlich auf den römischen Denarius zurück. Damit gehört der Dinar zu den ältesten Währungsbezeichnungen Europas, die bis heute verwendet werden.
🇲🇪 Montenegro – Euro (€)
Montenegro gehört weder zur Europäischen Union noch zur Eurozone. Trotzdem bezahlt man dort mit dem Euro. Zunächst führte das Land die Deutsche Mark ein, später den Euro. Eigene Euro schaffen kann Montenegro allerdings nicht. Das Geld muss durch Tourismus, Exporte, Investitionen oder Geldüberweisungen aus dem Ausland ins Land gelangen. Montenegro nutzt also die Stabilität des Euro, verzichtet dafür aber auf eine eigene Geldpolitik.
🇽🇰 Kosovo – Euro (€)
Auch der Kosovo nutzt den Euro, obwohl das Land weder Mitglied der Europäischen Union noch der Eurozone ist. Ein großer Teil der Euro gelangt über die kosovarische Diaspora ins Land. Als Diaspora bezeichnet man Menschen, die außerhalb ihres Heimatlandes leben, diesem aber familiär, kulturell oder wirtschaftlich eng verbunden bleiben. Viele Kosovaren arbeiten beispielsweise in Deutschland, Österreich oder der Schweiz und überweisen regelmäßig Geld an ihre Familien. Diese Überweisungen sind bis heute ein wichtiger Bestandteil der kosovarischen Wirtschaft.
🇲🇰 Nordmazedonien – Denar (MKD)
In Nordmazedonien bezahlt man mit dem Denar. Der Name geht auf den römischen Denarius zurück – eine Münze, die bereits vor über 2.000 Jahren verwendet wurde. Die heutige Geldpolitik orientiert sich sehr eng am Euro. Der Wechselkurs wird von der Zentralbank bewusst stabil gehalten, ohne dass der Denar offiziell fest an den Euro gebunden ist.
🇦🇱 Albanien – Lek (ALL)
Die offizielle Währung Albaniens ist der Lek. Der Name geht auf „Leka i Madh“ zurück – den albanischen Namen für Alexander den Großen. Im Alltag begegnet einem allerdings erstaunlich oft auch der Euro. Gerade im Tourismus, bei Immobilien oder größeren Anschaffungen wird häufig direkt in Euro bezahlt. Der Euro ist zwar keine offizielle Währung, funktioniert in manchen Bereichen aber fast wie eine Schattenwährung.
🇬🇷 Griechenland – Euro (€)
Griechenland führte den Euro 2001 ein. Davor wurde mit der Drachme bezahlt – einer der ältesten Währungen der Welt mit einer Geschichte von über 2.500 Jahren.
Nach neun Ländern mit eigener Währung oder unterschiedlichen Währungssystemen war ich ehrlich gesagt froh, einfach wieder mit Euro bezahlen zu können.
Und genau darin liegt für mich die größte Stärke des Euro: Er ist nicht nur eine gemeinsame Währung. Er macht Europa im Alltag ein Stück einfacher. Ich würde mir wünschen, dass wir irgendwann noch mehr Länder haben, in denen das genauso selbstverständlich ist.
Küstenroute statt Inland
Ich bin heute Morgen quasi bis nach Patras gerast.
Die rund 155 Kilometer habe ich ziemlich zügig abgespult und war gegen 11 Uhr hier. Das Ziel war ganz klar, möglichst viele Kilometer noch in der kühlen Morgenluft mitzunehmen. Das hat auch wirklich gut funktioniert.
Es gab unterwegs noch zwei kleinere Anstiege. Die waren in der Hitze zwar schon spürbar, aber noch gut fahrbar. Sobald die Sonne dann richtig draußen ist, merkt man aber wieder, wie brutal die Temperaturen werden.
Ich habe mich deshalb noch einmal kurz hingesetzt und meine Route leicht angepasst.
Auf der Fähre ist mir aufgefallen, dass vom Meer her ein angenehm kühler Wind hereinkommt. Dieser leichte Seewind macht einen riesigen Unterschied gegenüber der Hitze im Landesinneren. Deshalb habe ich mich entschieden, die Strecke möglichst lange direkt an der Küste entlangzufahren.
Sie ist nicht länger als meine ursprüngliche Route. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, warum viele andere weiter durchs Inland fahren und sich dort durch die größte Hitze quälen. Ich nehme lieber den etwas kühleren Wind vom Meer mit.
Anschließend habe ich noch einmal im Supermarkt eingekauft: Gummibärchen, Riegel und alles, was ich für morgen brauche. Das Schöne ist: Ich habe jetzt sowohl mein Frühstück als auch mein Abendessen schon dabei. Mittagessen gab es natürlich auch noch – ich habe mir im Supermarkt erst einmal ordentlich den Bauch vollgeschlagen.
Außerdem habe ich das Hotel in Olympia bereits gebucht, also direkt am Ausgangspunkt des Finish-Parcours.
Der Plan steht jetzt. Ich fahre heute einfach bis Olympia durch. Ich schätze, dass ich dort gegen 19 oder 20 Uhr ankommen werde. Dann wird geduscht, die Kleidung noch einmal ausgewaschen, etwas gegessen und möglichst früh geschlafen. Wenn ich gegen 21 Uhr im Bett liege und ungefähr fünf Stunden schlafe, kann ich gegen zwei Uhr morgens wieder los.
Auswertung des Finish-Parcours
Mit Hilfe meines programmierten KI-Agenten habe ich mir heute noch die Fahrzeiten des Finish-Parcours angesehen. Ich habe ihn die Zeiten der ersten Fahrer und der Teilnehmer heraussuchen lassen, die in den letzten Tagen dort angekommen sind.
Robin Gemperle hat für den Finish-Parcours 13 Stunden und 13 Minuten gebraucht. Ich vermute allerdings, dass er dort zwischendurch geschlafen hat. Anders kann ich mir diese Zeit ehrlich gesagt kaum erklären. Ich meine mich auch zu erinnern, dass Thomas irgendwo im Chat geschrieben hatte, dass es an diesem Tag nichts mehr wird.
Die schnellsten Fahrer lagen ungefähr zwischen achteinhalb und neuneinhalb Stunden. Jocelyn Roth war mit 8 Stunden 34 Minuten einer der Schnellsten. Nicolas Chatelet, Jos Koop und Martin Moritz lagen alle bei ungefähr neuneinhalb Stunden.
Schaut man sich dagegen die Finisher der letzten beiden Tage an, liegt der Median bereits bei 11 Stunden und 39 Minuten, der Durchschnitt sogar bei knapp 12 Stunden.
Ich selbst rechne aufgrund meines Gewichts und weil ich bergauf einfach nicht der Agilste bin ebenfalls mit ungefähr zwölf Stunden.
Wenn ich also gegen zwei Uhr morgens starte, wäre eine Ankunft am frühen Nachmittag für mich eigentlich ideal. Zum einen kann ich so möglichst viele Stunden des Parcours in der kühlen Nacht und am frühen Morgen fahren und muss nicht den kompletten Tag in der größten Hitze verbringen. Und zum anderen möchte ich das Ziel auch bewusst erleben.
Es wäre einfach schön, am Nachmittag anzukommen, noch mit den anderen Fahrern zu quatschen, die Atmosphäre aufzusaugen und diesen Moment gemeinsam zu genießen. Wenn man dagegen erst um Mitternacht oder um ein Uhr nachts ins Ziel rollt, schlafen die meisten schon – und dieser besondere Moment geht ein Stück weit verloren.
Der Plan steht jedenfalls. Jetzt heißt es erst einmal: sauber bis Olympia durchrollen. Und morgen geht es dann auf den letzten großen Parcours dieser Reise.
Zwischenupdate
Ich wurde soeben umgebucht, da in meinem Hotel die Klima zentral ausgefallen ist …
Ankunft in Ancient Olympia
Viele Grüße aus Ancient Olympia!
Heute Morgen ging es erst einmal ganz entspannt los. Ein bisschen gefrühstückt – und dann habe ich festgestellt, dass meine Taschen praktisch leer waren.
Ich hatte gestern zwar geschrieben, dass ich mich bereits für das Abendessen und das Frühstück eingedeckt hatte. Das stimmte auch. Was ich dabei allerdings unterschätzt hatte: Für den eigentlichen Fahrtag war danach fast nichts mehr übrig.
Ich hatte noch einen Red Bull, den ich gleich am Morgen getrunken habe, drei Flaschen Fanta und eine kleine Packung Cashewkerne. Das war’s.
Die Fanta ist momentan tatsächlich so ein bisschen mein Treibstoff. Zusammen mit Haribos funktioniert das erstaunlich gut. Blöd war nur: Die Haribos waren alle. Also musste ich irgendwie bis zum ersten Supermarkt kommen.
Das Problem ist natürlich: Wenn man morgens um halb vier oder vier Uhr losfährt, hat noch kaum etwas geöffnet. Der erste Lichtblick war dann gegen halb sechs ein kleiner Bäcker. Der hatte für die Arbeiter schon geöffnet.
Ich habe mir dort einfach zwei Teilchen gekauft, ohne genau zu wissen, was das eigentlich ist. Zur Sicherheit gab’s gleich noch eine Laktase dazu, weil ich mir ziemlich sicher war, dass da irgendwo Quark oder Milchprodukte drinstecken. Geschmeckt hat’s mir ehrlich gesagt überhaupt nicht. Das ist wahrscheinlich einfach Gewöhnungssache. Aber manchmal erwischt man eben etwas, das einem nicht liegt. Egal. Hauptsache, ein paar Kohlenhydrate waren erst einmal drin.
Kurz danach habe ich an einer Tankstelle noch einmal angehalten und meine Vorräte ergänzt. Es gab wieder Gummibärchen und Fanta – damit war zumindest die Grundversorgung für den Vormittag erst einmal gesichert. Danach hieß es einfach weiterfahren. Mit ein bisschen Druck auf dem Pedal, weil ich möglichst viele Kilometer vor der großen Hitze schaffen wollte.
Dann kam die Rio-Antirrio-Brücke.
Offiziell heißt sie übrigens Charilaos-Trikoupis-Brücke – ein Name, den ich mir wahrscheinlich nie merken werde. Das Bauwerk selbst ist aber unglaublich spannend. Die Idee zu dieser Brücke stammt bereits aus dem Jahr 1889. Gebaut wurde sie aber erst gut 100 Jahre später und pünktlich zu den Olympischen Spielen 2004 eröffnet. Sie steht mitten in einem Erdbebengebiet, die Pylone stehen auf sehr weichem Meeresboden und genau deshalb gilt sie bis heute als eine der anspruchsvollsten Brückenkonstruktionen der Welt.
Ich hänge euch dazu noch ein paar Bilder an.
Wir waren schon einmal mit dem Auto hier und sind damals natürlich über die Brücke gefahren. Deshalb war es für mich jetzt auch gar nicht schlimm, dass sie beim TCR für uns gesperrt war. Im Gegenteil: So hatte ich endlich einmal die Gelegenheit, sie in Ruhe von der Seite zu betrachten. Und gerade da sieht man erst, was das eigentlich für ein beeindruckendes Bauwerk ist.
Danach ging es direkt weiter nach Patras. Eine ziemlich wuselige Stadt, aber ich wollte bewusst hindurchfahren und sie mir wenigstens kurz anschauen.
Dort habe ich dann auch meinen Großeinkauf erledigt – sowohl für den restlichen heutigen Tag als auch schon für morgen. Jetzt habe ich wirklich alles dabei: Frühstück für morgen, Abendessen, Riegel, Gummibärchen und Getränke. Das beruhigt ungemein, weil ich morgen sehr früh starte und um diese Uhrzeit die Einkaufsmöglichkeiten noch ziemlich eingeschränkt sind.
Der Plan war, heute möglichst früh im Hotel anzukommen, ordentlich zu regenerieren und dafür morgen möglichst viel vom Finish-Parcours in der Nacht und am frühen Morgen zu fahren. Und genau dieser Plan ist komplett aufgegangen.
Ich war schon gegen 18:30 Uhr im Hotel – nach knapp 280 Kilometern. Mehr hätte heute auch überhaupt keinen Sinn ergeben.
Der Finish-Parcours beginnt direkt hier in Ancient Olympia und umfasst noch einmal 173 Kilometer mit rund 3.700 Höhenmetern. Soweit ich das auf der Karte erkennen kann, gibt es unterwegs keine wirklich sinnvolle Möglichkeit, vernünftig zu schlafen. Wäre ich heute Abend noch hineingefahren, hätte ich entweder mitten im Parcours irgendwo übernachten oder völlig übermüdet weiterfahren müssen. Deshalb war es für mich die deutlich bessere Entscheidung, heute hier Schluss zu machen und morgen ausgeruht direkt am Start des Parcours loszufahren.
Die Sachen sind ausgewaschen, geduscht habe ich auch und jetzt werde ich versuchen, möglichst gegen 21 Uhr zu schlafen. Wenn alles klappt, klingelt der Wecker gegen ein Uhr und ich sitze dann gegen halb zwei oder zwei wieder auf dem Rad.
Für den Finish-Parcours rechne ich ungefähr mit zwölf Stunden. Vielleicht kommt unterwegs noch eine etwas längere Pause dazu. Dann wäre eine Ankunft irgendwann zwischen 14 und 15 Uhr genau das, was ich mir wünsche. Ich hätte dann genügend Zeit, den Zieleinlauf bewusst zu erleben, mit den anderen Fahrern zu quatschen und die Atmosphäre einfach aufzusaugen. Nach fast zwei Wochen auf dem Rad möchte ich diesen Moment nicht nachts erleben, sondern ihn wirklich genießen.
Ansonsten passt heute eigentlich alles. Das Fahrrad durfte mit aufs Zimmer, das Hotel ist zwar ein bisschen in die Jahre gekommen, aber sauber, die Betten sind frisch und warmes Wasser gab es auch. Für 60 Euro kann ich mich da wirklich überhaupt nicht beschweren.
Vielleicht erreiche ich heute Abend ja sogar noch meine Familie, bevor es ins Bett geht.
Jetzt heißt es nur noch: schlafen, den Wecker auf ein Uhr stellen und morgen den letzten großen Abschnitt dieser Reise in Angriff nehmen.
Ich freue mich drauf. Bis morgen!
Die Aktivität auf Strava
- Distanz: 277,63 Kilometer
- Höhenmeter: 1.495 Meter
- Bewegungszeit: 11:51:25 Stunden
- Gesamtzeit: 15:18:02 Stunden
- Gewichtete Leistung: 150 Watt
- Start: 04.08.2026, 03:40 Uhr
- Gesamtstrecke im Rennen bis hierhin: ca. 4.641,06 Kilometer
Strecke auf der Karte
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