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TCRNO12 – Tag 16: Checkpoint 4 und die Vernunftsentscheidung in Arta
Sorry Leute, aber das war gestern Abend echt ein ziemlicher Abfuck. Ich hatte mir extra ein etwas teureres Hotel gebucht, damit ich keinen Stress habe. Rund 70 Euro über Booking.com. Während der Buchung musste ich sogar noch einmal die dreistellige Sicherheitsnummer meiner Kreditkarte eingeben. Danach stand dort ganz eindeutig: bezahlt. Als ich im Hotel ankam, musste ich erst einmal eine halbe Ewigkeit darüber diskutieren, ob ich mein Fahrrad mit aufs Zimmer nehmen darf. Keine Ahnung warum, aber ich hatte von Anfang an kein besonders gutes Bauchgefühl. Und meistens liegt mein Bauchgefühl gar nicht so daneben. Irgendwann durfte das Rad dann doch mit aufs Zimmer. Danach habe ich gefragt, ob es noch etwas zu essen gibt. Die Antwort war: Nein. Der Hotelbesitzer könne mich aber mit dem Auto in die Stadt fahren. Das fand ich schon etwas ungewöhnlich. Wenn ich ein Hotel buche, gehe ich eigentlich davon aus, dass ich dort zumindest noch etwas zu essen oder zu trinken bekomme. Ich habe dann gesagt: „Nein, danke. Ich habe noch etwas dabei. Ein alkoholfreies Bier wäre allerdings ganz schön.“ Er meinte: „Kein Problem, komm einfach nachher noch einmal runter.“ Als ich später wieder herunterkam, meinte er plötzlich, ich müsse erst einmal das Zimmer bezahlen. Da habe ich gesagt: „Moment mal, das habe ich doch längst über Booking bezahlt.“ Er meinte allerdings, er habe keine Zahlung erhalten und bei Booking wohl keine Bankverbindung hinterlegt. Deshalb müsse ich jetzt bezahlen. Ich bin wieder aufs Zimmer gegangen, habe abgeschlossen und mir die Buchung angesehen. Ich war hundemüde und habe außerdem kurz meine KI gefragt, wie ich mich verhalten soll. Die Antwort war ziemlich eindeutig: Auf keinen Fall einfach ein zweites Mal bezahlen. Also habe ich mich erst einmal hingelegt und geschlafen. Heute Morgen habe ich mir das Ganze noch einmal in Ruhe angesehen. Tatsächlich war die Zahlung noch nicht abgebucht worden. Booking hatte aber offenbar die Autorisierung meiner Kreditkarte. Im Prinzip hätte das Hotel den Betrag also noch einziehen können. Ich habe die 70 Euro jetzt trotzdem noch einmal bezahlt – einfach des Friedens willen. Der Hotelbesitzer hat mir hoch und heilig versprochen, dass er den Betrag über Booking nicht zusätzlich abbuchen wird. Sollte das doch passieren, gibt es eben einen Fall bei Booking und entsprechend auch eine Bewertung. Als wir anschließend zusammen nach draußen gegangen sind, haben wir uns noch ein bisschen unterhalten. Er erzählte mir, dass er viele Jahre als Lkw-Fahrer in der Schweiz gearbeitet, dort Geld gespart und sich anschließend hier seinen Traum erfüllt hatte: dieses Hotel zu bauen. Irgendwie hat das mein Bauchgefühl dann doch wieder etwas beruhigt. Das Hotel ist insgesamt wirklich auf einem guten Standard. Man merkt aber auch hier wieder dieses Imperfekte, das mir auf dem Balkan schon öfter begegnet ist. Hier und da gibt es kleine bauliche Eigenheiten oder Details, die man in Deutschland wahrscheinlich anders lösen würde. Aber genau das macht irgendwie auch den Charme aus. Der eigentliche Abfuck ist allerdings, dass ich durch die ganze Geschichte gestern Abend nicht mehr einkaufen war. Heute Morgen hatte ich deshalb praktisch keine Verpflegung mehr dabei. Dann gab es aber doch noch eine kleine Geschichte mit Happy End: In der Stadt hatte tatsächlich noch ein kleiner Späti geöffnet. Dort habe ich Gummibärchen, Fanta, einen Red Bull und ein alkoholfreies Bier bekommen. Eine vernünftige Kohlenhydratgrundlage – also Brot oder etwas Ähnliches – fehlt mir zwar noch, aber das werde ich unterwegs schon finden. So, jetzt kann es weitergehen.
Auf dem Weg zum Checkpoint
Der Plan für heute ist klar: Richtung Checkpoint. Das sind noch ungefähr 160 bis 170 Kilometer. Danach wartet Griechenland. Zwischendurch gab es immer wieder kurze Eindrücke vom Weg: „Wahnsinn diese Tiefe hier!“ Und natürlich auch mein kleines Ritual: „Mein kleines Ritual 💦“ Die Strecke ist nicht einfach. Es geht immer wieder hoch und runter, und die Hitze macht das Ganze zusätzlich anstrengend.
Hitze und Checkpoint 4
Noch so ein Ding, das ich bei vielen Ultras gelernt habe, ist, Entscheidungen nicht zu lange abzuwägen, sondern sie irgendwann einfach zu treffen. Natürlich überlegt man sich vorher, wo man herauskommen und was man noch erreichen möchte. Aber irgendwann muss eine Entscheidung fallen. Heute hatte ich auf dem Tacho 43 Grad stehen. Das war einfach brutal heiß. Klar, die Sonne hat direkt auf den Radcomputer geschienen. Wahrscheinlich waren es eher 38 bis 40 Grad Lufttemperatur, aber das schwarze Gehäuse heizt sich natürlich zusätzlich auf. Ich habe mich deshalb ständig an den Quellen, die unterwegs kamen, nass gemacht. Irgendwann gab es aber keine Quellen mehr. Später kam Wind auf, es wurde bewölkt und damit war es eigentlich ganz gut auszuhalten. Am Ende sind es heute 280 Kilometer geworden. Das ist völlig in Ordnung. Ich habe außerdem den Checkpoint gemacht. Die liegen beim TCR meistens so versteckt oder so abgelegen, dass sie fast schon wie ein eigener Parcours sind. Heute war das wieder genauso. Die letzten 40 Kilometer bis zum Checkpoint waren richtig ambitioniert. Es ging permanent hoch und runter, mit wirklich heftigen Wellen. Das mag ich eigentlich, aber bei dieser Hitze kostet das natürlich unglaublich viele Körner. CP4 done.
Die Entscheidung in Arta
Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Wie geht es weiter? Eigentlich wollte ich heute noch so weit wie möglich Richtung Antirrio-Brücke kommen, damit ich morgen vielleicht sogar schon ein kleines Stück in den Parcours hineinfahren kann. Dass ich den Parcours morgen komplett schaffe, ist allerdings völlig utopisch. Dort warten über 4.000 Höhenmeter, zwei richtig heftige Anstiege der höchsten Kategorie und dazwischen ständig neue Wellen. Das Ding hat es wirklich in sich. Wahrscheinlich werde ich den kompletten Tag dort verbringen. Deshalb ist das Ziel eigentlich nur, so früh wie möglich dort anzukommen, damit ich am nächsten Morgen möglichst früh in den Parcours starten kann. Dann beginnt natürlich sofort das Rechnen im Kopf: Wann musst du wo sein, damit alles aufgeht? Ich bin heute in Arta ins Hotel gegangen. Von hier sind es noch ungefähr 150 Kilometer bis zur Rio-Antirrio-Fähre. Danach sind es noch einmal rund 139 Kilometer bis Ancient Olympia. Das heißt, morgen stehen allein bis zum Beginn des Parcours fast 300 Kilometer auf dem Programm. Es war noch nicht einmal 21 Uhr, als ich hier angekommen bin. Wenn ich um 22 Uhr im Bett liege, fünf Stunden schlafe und um drei Uhr wieder aufstehe, bin ich gegen halb vier wieder auf der Straße. Dann kann ich die kühlen Morgenstunden optimal nutzen. Heute hatte ich über weite Strecken starken Gegenwind. Morgen früh soll dagegen fast gar kein Wind sein, eher leichter Seitenwind und später sogar leicht unterstützender Wind. Es ergibt also überhaupt keinen Sinn, jetzt noch zwei Stunden gegen den Wind weiterzuballern. Was bringt es mir, noch 50 Kilometer abzuspulen und dann irgendwo mitten in der Pampa zu schlafen, wo ohnehin nichts mehr kommt? Deshalb habe ich entschieden, hier Schluss zu machen. Das war einfach eine Vernunftsentscheidung. Das Hotel hätte über Booking 62 Euro gekostet. Direkt vor Ort habe ich das Zimmer jetzt für 50 Euro bekommen. Zwei Betten, Klimaanlage, 70er-Jahre-Einrichtung – absolut kein Luxus, aber völlig ausreichend. Jetzt gehe ich noch duschen, wasche meine Sachen aus und werde morgen gegen drei Uhr aufstehen. Gegen halb vier möchte ich losfahren und so schnell wie möglich zur Fähre kommen. Über die Rio-Antirrio-Brücke dürfen wir nicht fahren, deshalb müssen wir die Fähre nehmen. Die fährt ab fünf Uhr regelmäßig, später sogar etwa halbstündlich. Vielleicht reicht die Wartezeit noch, um kurz etwas einzukaufen. Für heute Abend und auch für das Frühstück morgen habe ich bereits alles besorgt. Morgen wird also noch einmal ein kompletter Fahrtag. Danach kommt der Parcours, wo ich vermutlich ebenfalls wieder so früh wie möglich starten werde – wahrscheinlich gegen drei oder vier Uhr morgens. Und dann hoffe ich, dass ich das Transcontinental Race irgendwann am Mittwoch, vielleicht am späten Nachmittag oder Abend, beenden kann. Das ist zumindest im Moment der grobe Plan. Ich denke, das ist einigermaßen realistisch.
Griechenland
Die Straßen sind deutlich schlechter als in Albanien. Man muss wirklich aufpassen. Gerade in den Abfahrten aus dem Gebirge hast du erst perfekten Asphalt, und plötzlich taucht ein riesiges Schlagloch auf. Dann musst du entweder voll bremsen oder fliegst mitten hindurch. Die Autofahrer dagegen sind hier deutlich angenehmer. Hier bist du wieder ein Individuum. Die Menschen nehmen Rücksicht auf dich. Selbst Lkw-Fahrer halten wirklich genügend Abstand. Das Sicherheitsgefühl auf dem Rad ist dadurch ein ganz anderes als noch in Albanien. Wenn ich die Länder bisher einordnen müsste, dann wäre Ungarn ganz unten. Dort war das Radfahren wirklich schlimm. Bosnien und Herzegowina fand ich ebenfalls schwierig. Danach wurde es wieder besser: Nordmazedonien, dann Albanien und jetzt Griechenland. Hier fühlt sich das Radfahren insgesamt eigentlich ziemlich gut an. Am Ende muss man Entscheidungen eben auch einfach treffen. Ich glaube, heute war das die richtige. Das Hotel tut gut, der Kopf ist ruhig und morgen geht es mit frischer Kraft weiter. Ich wünsche euch eine gute Nacht.
Die Aktivität auf Strava
- Distanz: 278,08 Kilometer
- Höhenmeter: 2.805 Meter
- Bewegungszeit: 12:26:25 Stunden
- Gesamtzeit: 16:03:54 Stunden
- Gewichtete Leistung: 165 Watt
- Start: 03.08.2026, 06:05 Uhr
- Gesamtstrecke im Rennen bis hierhin: ca. 4.363,43 Kilometer
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