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TCRNO12 – Tag 10: Parcours 1B und Checkpoint 2
Ich habe gestern Abend auf dem Campingplatz noch jemanden kennengelernt – ich habe leider seinen Namen vergessen, ich nenne ihn jetzt einfach Laszlo.
Die Geschichte dahinter: Ich bin im Dunkeln einfach gefahren und dachte mir auf dem Rad noch: „Boah, wenn jetzt hier ein Campingplatz kommen würde, das wäre total gut.“ Und auf einmal merke ich, dass links und rechts von mir Zelte stehen und ich mitten auf einem Campingplatz bin! Ich bin dann noch ein bisschen herumgefahren und habe gesehen, dass da eine überdachte Hütte steht – das war die Küche. Da lag Laszlo schon drin und war eigentlich kurz vorm Einschlafen, als ich da aufgeschlagen bin. Wir waren dann beide noch wach und haben noch ein bisschen gequatscht, während wir zusammen in der Küchenhütte gepennt haben. Das war eigentlich ziemlich cool.
Heute Morgen bin ich dann auf dem Campingplatz aufgestanden. In aller Herrgottsfrühe saß ich kurz nach fünf wieder auf dem Rad und musste mich erst einmal durch den Berufsverkehr der Stadt kämpfen. Danach ging es direkt in die Anfahrt zum Parcours – das waren alleine schon 600 oder 700 Höhenmeter, bevor der eigentliche Parcours überhaupt angefangen hat. Da wird man am frühen Morgen direkt ordentlich warm. Ich habe mir ordentlich Zucker reingepfiffen, um genug Energie in den Systemen zu haben, und das hat seine Wirkung nicht verfehlt: Ich bin den Parcours mit ordentlich Druck auf dem Pedal angegangen.
Am Anfang gab es groben Schotter, dann schlammige Piste und schließlich eher wanderwegartige Abschnitte mit riesengroßen Felsen – eigentlich kaum fahrbar. Trotzdem bin ich bestimmt 90 bis 95 Prozent gefahren, nur an ein paar Stellen musste man kurz schieben. Der Parcours führte dann insgesamt bis zum Checkpoint 2. Das letzte Stück war noch einmal extrem anstrengend; dazwischen gab es zwar eine kleine normale Passage auf Asphalt, aber am Ende warteten wieder harte Anstiege. Das war mit diesem krassen Gravel schon sehr TCR-like. Zu dem Zeitpunkt hätte ich sogar gesagt, dass das vermutlich härter war als letztes Jahr in Albanien.
Auf meiner freien Routenwahl danach habe ich mir dann allerdings so etwas von selbst eingeschenkt, dass ich kurzzeitig gar nicht mehr wusste, wo oben und unten ist. Es ist unfassbar, welche Möglichkeiten es hier gibt, sich total zu verausgaben. Ich wollte Kilometer sparen und bin letztendlich direkt weiter in den Schotter gefahren. Die Alternative wären 30 oder 40 Kilometer außen herum gewesen – Gemberle hat das so gemacht. Ich hatte es anders geplant, weil ich dachte: Die Kilometer sparst du dir, so schlimm wird es zwischendurch schon nicht werden. Es wurde schlimmer. Viel Plattenstraße, gar keine Straße, schlechte Beläge und harte Anstiege – alles für ein paar gesparte Kilometer. Das hätte ich mir anders vorgestellt.
Danach ging es gleich anspruchsvoll weiter, weil die Passage an der Banned Road entlang volle Konzentration verlangte. Immer wieder gab es Straßenüberquerungen, die sicherlich im Nachhinein alle genau überprüft werden. Bei der angekündigten gesperrten Brücke – das hatte ich mir vorher schon bei Google gescoutet – habe ich kurz angehalten, bin zum Fluss heruntergestiegen und konnte meine Sachen sowie mich selbst komplett waschen. Das bedeutet: Ich kann heute wieder beruhigt draußen schlafen, ohne im eigenen Mief zu ersticken.
Anschließend ging es auf ein kurzes erlaubtes Stück der Banned Road, danach rechts ab in den Gravel – und dort ging es noch einmal richtig zur Sache. Es führte steil nach oben. Auf dem Weg nach oben habe ich kurz mit Katja telefoniert und ihr meine Energiesituation geschildert. Ich hatte nämlich einen kleinen Bedienfehler eingebaut: Versehentlich war ich am Fahrrad an den Schalter gekommen, sodass die Zusatzbeleuchtung tagsüber längere Zeit unbemerkt mitlief. Dadurch war der Pufferakku meines Forumsladers ausgerechnet an diesem steilen Gravel-Tag auf rund 7 bis 8 Prozent abgesackt. Als mein iPhone dann bei knapp 30 Prozent war, habe ich es erst einmal bewusst nicht geladen, um dem Lader auf den langsamen Passagen wieder etwas Energie für die Nacht zu geben. Das hat zum Glück funktioniert und der Strom hat problemlos gereicht.
Oben im Skigebiet angekommen, ging es in die Abfahrt Richtung Tal. Die war wahnsinnig anstrengend. Ein Schäfer stand etwa 500 Meter weiter unten und hatte mich wohl zunächst gar nicht bemerkt. Seine Hunde kamen direkt auf mich zugerannt. Ich habe sofort mein Fahrrad als Schutzschild zwischen mich und den großen Hund gestellt, um ihn auf Abstand zu halten, während der kleine von hinten ankam – wie Hunde eben so sind. Ich konnte die Situation so lange kontrollieren, bis der Schäfer da war und seine Tiere wieder im Griff hatte. Ganz ehrlich: Da hätte ich mir fast in die Hose gemacht. Dem Mann mache ich keinen Vorwurf, die Hunde machen dort nur ihren Job und der Schäfer hat sich auch entschuldigt. Ich bin schließlich in ihr Revier eingedrungen.
Ab dort ging es wild weiter: Abfahrten über Wiesen, extrem harter Gravel, ständig bergab und berghoch. Zum Schluss landete ich auf einer Langlaufloipe, auf der ich so lange entlangfuhr, bis endlich die finale Abfahrt kam. Dabei habe ich mit dem lauten Knattern meines Freilaufs aus versehen ein Filmteam gestört – da standen bestimmt 100 Leute herum und haben eine Szene gedreht, die sie wegen mir wohl noch einmal aufnehmen mussten. Sie waren nicht sonderlich begeistert, aber die anschließende Asphaltabfahrt hat mich dafür entschädigt.
Unten in der Stadt habe ich erst einmal einen Döner gegessen und mein Handy etwas aufgeladen. Mein Kopf ist von den ganzen Erschütterungen ziemlich durchgeschüttelt und leer.
Inzwischen bin ich auf der Strecke unterwegs, die auch Gemberle gefahren ist. Die hatte ich ursprünglich gar nicht auf dem Schirm, aber ich habe sie mir jetzt einfach von ihm abgeschaut. Hier in der Slowakei dürfen wir keine Europastraßen befahren. Die Route 66, auf der ich jetzt fahre, ist im Normalfall eine Europastraße – es sei denn, direkt daneben verläuft eine Autobahn, denn dann gilt die Autobahn als die offizielle Europastraße. Gemberle hatte das auf dem Schirm, ich vorher nicht. Deswegen mache ich es mir jetzt etwas einfacher und nutze diese alte Bundesstraße an der Autobahn entlang. Sie rollt sich wirklich fantastisch. Oben im Gravel hatte Gemberle vermutlich die bessere Linienwahl – falls er dieselbe Piste wie ich gefahren ist: Hut ab, der Mann kann verdammt gut Rad fahren!
Jetzt bin ich jedenfalls auf dieser schnellen Passage unterwegs. Ich habe zwar erst rund 180 Kilometer auf der Uhr und würde eigentlich gerne noch 100 Kilometer dranhängen, aber das ist heute eher utopisch. Ich bin ziemlich bedient und werde nicht mehr allzu lange machen. Bis später!
Die Aktivität auf Strava
- Distanz: 211,42 Kilometer
- Höhenmeter: 3.722 Meter
- Bewegungszeit: 12:51:28 Stunden
- Gesamtzeit: 17:09:27 Stunden
- Gewichtete Leistung: 163 Watt
- Start: 28.07.2026, 05:36 Uhr
- Gesamtstrecke im Rennen bis hierhin: 2.720,84 Kilometer
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