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TCRNO12 – Tag 11: Durch Ungarn
Ausflug zur Technik: Warum ging dem Akku die Puste aus?
Gestern kam die Frage auf, warum ich überhaupt in ein Energieproblem geraten bin. Die Kurzfassung für alle, die es nicht ganz so detailverliebt brauchen: Das Ganze hatte zwei Ursachen. Erstens ein Bedienfehler von mir, da ich am Tag davor das Dynamolicht durchgehend eingeschaltet hatte und somit deutlich weniger Energie in den Pufferakku geladen wurde. Zweitens das Streckenprofil mit vielen langsamen Anstiegen und Schiebepassagen, bei denen der Nabendynamo schlichtweg kaum Strom liefert. Beides zusammen führte dazu, dass der Pufferakku meines Forumsladers leer war – mein Handy hatte allerdings immer noch knapp 20 Prozent.
Für alle, die Spaß an den technischen Details haben, kommt hier der Deep-Dive:
Nabendynamo: SON Deluxe
Ich fahre einen SON Deluxe. Heute würde ich ihn vermutlich nicht mehr kaufen, sondern eher zum DT Swiss 350 oder dem neuen SON greifen. Der SON Deluxe spart zwar etwa 50 Gramm Gewicht, hat allerdings nur 13 statt 14 Spulen. Dadurch erreicht er seine volle Leistung erst bei höheren Geschwindigkeiten. Beim TCR fährt man jedoch oft langsam bergauf oder schiebt – genau dort wäre eine hohe Stromausbeute bei niedriger Fahrt wichtiger.
Spannungswandler & Energiemanagement: Forumslader V6
Direkt hinter dem Dynamo sitzt der Forumslader V6 von Jens During. Mit dem System beschäftige ich mich seit rund zwanzig Jahren – damals, bei unserer Cross-Eurasia-Tour, gab es kaum fertige Lösungen, um Laptops oder Handys unterwegs zu laden. Mit Hilfe von Freunden, der Radforum-Community und Jens entstanden die ersten selbstgelöteten Spannungswandler. Der heutige V6 ist extrem ausgetüftelt: Er kennt die spezifischen Leistungskennlinien verschiedener Dynamos sowie die Laufradgröße und holt bei jeder Geschwindigkeit das Maximum heraus. Das Energiemanagement speist immer zuerst die aktiv angeschlossenen Verbraucher; erst bei Überschuss wird der interne Akku geladen. Zudem liefert das System per App sämtliche Telemetriedaten – von Akkuzellen-Spannungen über Energieflüsse bis hin zu den Daten des barometrischen Höhenmessers.
Pufferakku & Anschlüsse
Der integrierte Pufferakku besteht aus drei Samsung INR18650-35E-Zellen (jeweils 3.500 mAh), was knapp 38 Wh Speicherkapazität entspricht. Damit lässt sich mein iPhone 16e etwa zweimal komplett aufladen. Ausgänge gibt es für USB und 12 Volt:
12-Volt-Ausgang: Über einen Umschalter versorge ich den robusten Quadlock-Motorradkopf, der das Handy unterwegs kabellos lädt. Das verhindert bei Regen jegliche Ausfälle an Ladekabeln oder Buchsen.
Lichtversorgung: Die andere Seite des Umschalters speist meine Lupine Nano SL über einen Step-Down-Wandler (von 12 V auf ca. 7,5 V). Das Dynamolicht selbst ist eine Supernova M99 DY Pro. Sie nimmt sich bei schneller Fahrt immer mehr Leistung vom Dynamo – fährt man allerdings langsam mit eingeschaltetem Dynamolicht, bleibt für den Forumslader kaum noch Energie übrig. Genau das ist mir passiert.
Das Gesamtsystem
Eine separate Powerbank habe ich nicht dabei. Als Energiespeicher dient das iPhone 16e, über das bei Bedarf Rücklicht, Pulsmesser, Wattpedale und die Schaltung per USB-C geladen werden. Für die Steckdose führe ich nur ein kleines Anker-Netzteil mit. Unterm Strich ist das ein autarkes, nahezu vollautomatisches Doppel-System: 6V Wechselspannung für das Dynamolicht und 12V Gleichspannung für Navigation, Laden und Zusatzlicht.
Fahrtag: Durch die Hitze Ungarns
Ich bin inzwischen über die Grenze nach Ungarn gefahren. Da es spürbar wärmer wird, habe ich meine Strategie angepasst: Mittags mache ich bewusste Pausen, um die Muskeln im klimatisierten Supermarkt herunterzukühlen, vernünftig zu essen und die Speicher aufzufüllen. Es bringt nichts, stur auf die Kilometer zu schauen und sich in der Hitze kaputtzufahren. Wenn es abends abkühlt, kann man gut hydriert dafür länger in die Nacht hineinfahren.
Heute Morgen bin ich gegen 4:00 Uhr losgekommen – nach gerade einmal vier Stunden Schlaf, weil ich ab 3:00 Uhr wach lag. Die ersten drei bis vier Stunden rollte es mit richtig gutem Rückenwind und Geschwindigkeiten um die 30 km/h perfekt. Danach stiegen die Temperaturen, der Verkehr nahm deutlich zu und der Wind drehte auf Gegenwind. Bei einem Verpflegungsstopp gab es erst einmal Sushi, ein alkoholfreies Bier und zwei Smoothies. Außerdem habe ich erfahren, dass Lisa Nemetz in Albanien am Checkpoint steht – das hat mich wirklich gefreut!
Nachmittagsupdate
Inzwischen stehen 36 Grad auf dem Thermometer. Der starke Gegenwind, die anstrengenden Straßen und der viele Schwerlastverkehr auf der Regionalstraße schlauchen ordentlich. Den Schlafmangel der letzten Nacht habe ich heute gespürt und bereits zwei kurze Naps eingelegt. Nach dem letzten Stop und einer Cola läuft es wieder besser. Dazu gibt es reichlich Wasser, Chips für den Salzhaushalt und Elektrolyttabletten.
Ich fahre heute sehr bewusst mit etwa 60 bis 70 Prozent Leistung. Es macht keinen Sinn, den Körper bei diesen Bedingungen zu überhitzen.
Inzwischen habe ich gut 210 Kilometer hinter mir und passiere gerade Székesfehérvár. Mit der Stadt verbinden Katja und ich eine schöne Erinnerung: Bei unserer Donau-Plattensee-Alpen-Tour 2008 hatten wir hier mit unserem Liegerad-Tandem einen Speichenbruch. Ein lokaler Radladen hat uns damals völlig unkompliziert und extrem schnell geholfen, obwohl sie so ein Rad noch nie gesehen hatten.
Mein Ziel für heute ist ein Hotel in Szekszárd nach etwa 310 bis 315 Kilometern. Nach dem Tag tut es gut, ordentlich zu duschen und die Kleidung komplett durchzuwaschen. Ungarn zeigt sich bisher mit Hitze, Staub, Abgasen und viel Verkehr noch nicht von seiner schönsten Seite, aber es ist ja nur für eine Nacht – morgen geht es hoffentlich schon nach Serbien weiter.
Gute Nacht! ❤️🫶
Die Aktivität auf Strava
- Distanz: 322,22 Kilometer
- Höhenmeter: 1.333 Meter
- Bewegungszeit: 12:58:36 Stunden
- Gesamtzeit: 16:58:37 Stunden
- Gewichtete Leistung: 154 Watt
- Start: gegen 4 Uhr
- Gesamtstrecke im Rennen bis hierhin: ca. 3.050 Kilometer
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