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TCRNO12 – Tag 12: Von Ungarn nach Bosnien
Auf geht’s in Richtung Sarajevo 🥳
Es ist ziemlich genau fünf Uhr morgens und ich sitze schon wieder auf dem Rad. Das ist erst einmal eine gute Nachricht, denn gestern ist mir das Hirn bei der Hitze doch ganz schön durchgekocht.
Gestern bin ich um vier Uhr gestartet, noch in der Dunkelheit. Mit der Sonne kam die extreme Hitze. Die langen Anstiege hatte ich zu diesem Zeitpunkt zum Glück schon hinter mir, denn in den Bergen war es morgens noch etwas kühler. Als es später hinaus in die Ebene ging, wurde es mit jeder Stunde heißer. Wenn einem den ganzen Tag die Sonne unerbittlich auf den Kopf brennt, merkt man irgendwann, dass die mentale Leistungsfähigkeit nachlässt. Das ist völlig normal.
Die Frage ist immer, wie gut man auf solche Temperaturen vorbereitet ist. Hitze kann man trainieren: Meine 1.000 Kilometer in Österreich waren für mich fast so etwas wie ein Hitzetest. Drei Tage hintereinander bin ich dort bei bis zu 37 Grad gefahren und habe gelernt: Es funktioniert – aber nur, wenn Essen und Trinken konsequent laufen. Sobald man das schleifen lässt, wird es kritisch. Solange die Nachversorgung passt, kann der Körper erstaunlich viel wegstecken.
Trotzdem bleibt so ein Tag eine enorme Belastung. Wenn ich auf das letzte TCR zurückblicke, war ich eigentlich täglich sehr nah an meiner körperlichen und mentalen Grenze. Das lag nicht nur an den Höhenmetern. Das TCR fordert einen auf allen Ebenen: Gravel-Passagen, drückende Ebenen, Versorgungsengpässe, Navigation, Schlafmangel und das ständige Treffen von Entscheidungen.
Letztes Jahr hatte ich riesigen Spaß daran, zusammen mit Manu beim vermutlich härtesten Radrennen der Welt ganz vorne mitzufahren. Aber dieser Erfolg hatte seinen Preis: Irgendwann drehte sich fast alles nur noch um die Platzierung. Jede Pause musste extrem kurz sein, überall haben wir uns beeilt. Das ging so weit, dass wir noch Wochen nach dem Rennen nachts aufgewacht sind und dachten, wir müssten sofort wieder aufs Rad. Dieses Rennen hatte sich tief in unseren Köpfen eingebrannt.
Dieses Jahr möchte ich mir den Spaß am Rennen bewusst erhalten, ohne ständig dem letzten Prozent Leistung hinterherzujagen. Ich habe noch rund 1.600 Kilometer vor mir, aber ich kann sie in meinem eigenen Tempo fahren. Und genau das fühlt sich im Moment absolut richtig an.
Gestern Abend kam im Gespräch die Frage auf, warum Katja eigentlich kein Transcontinental fährt. Für uns beide stellt sich diese Frage gar nicht. Katja kennt das Rennen wahrscheinlich fast so gut wie ich – nicht, weil sie es selbst gefahren ist, sondern weil sie mich seit Jahren begleitet. Sie muss meine Gedanken, meine Geschichten und die weniger schönen Momente rund um das TCR aushalten. Als Mutter unserer drei Kinder hält sie zu Hause den Laden am Laufen und trägt einen riesigen Teil dessen, was dieses Rennen überhaupt erst möglich macht. Dafür bin ich ihr unglaublich dankbar.
Katja fährt seit drei Jahren selbst Ultras und leistet Dinge, vor denen ich allergrößten Respekt habe. Aber das TCR ist eben nicht einfach nur ein längeres Ultrarennen; es fordert einen körperlich und vor allem mental auf eine ganz eigene Art und Weise. Dafür reicht Fitness allein nicht aus – man muss bereit sein, sich genau dieser Belastung auszusetzen.
Dass Frauen dieses Rennen genauso stark fahren können wie Männer, haben sie oft genug bewiesen. Das hat absolut nichts mit dem Geschlecht zu tun. Deshalb hat mich Katharina Wirth so tief beeindruckt: Wir haben in Trondheim in derselben Pension übernachtet. Sie ist 23 Jahre alt, eher klein und zierlich und erzählte mir, dass dies ihr allererstes Rad-Ultrarennen sei. Im ersten Moment war ich ehrlich gesagt überrascht und fragte sie, was sie bisher gemacht hat. Als sie dann von ihren Reisen durch Kirgisistan, Kasachstan und China erzählte, war mir sofort klar: Sie hatte zwar noch keine Ultra-Rennerfahrung, brachte aber enorm viel Outdoor- und Bikepacking-Kompetenz mit – vor allem die Fähigkeit, draußen in schwierigen Situationen ruhig zu bleiben. Inzwischen ist sie mir mindestens zwei Tage voraus. Wenn ihr ihren Rennverlauf verfolgen möchtet: Katharina hat die Startnummer 199. Für mich ist sie schon jetzt die Newcomerin des Jahres. Hut ab!
Unterwegs: Von Kroatien nach Bosnien
Kurzer Zwischenstopp zum Frühstück und Mittagessen... Es ist wieder brutal heiß.
Ich bin inzwischen durch Kroatien gefahren und bereits in Bosnien und Herzegowina angekommen. Irgendwie war ich die ganze Zeit davon ausgegangen, dass meine Strecke noch durch Serbien führt, bevor es nach Bosnien geht. Tatsächlich hatte ich bei der Planung wohl die Alternativroute gewählt und bin nun direkt hier gelandet.
Gerade hat mich noch eine Situation mit einem anderen Fahrer beschäftigt: Er ist ohne zu grüßen an mir vorbeigezogen und nicht auf den vorhandenen Radweg gewechselt. Ich habe ihm noch hinterhergerufen, dass das an dieser Stelle wirklich gefährlich ist. Er hat sich nur kurz umgedreht und ist einfach weitergefahren. Mir geht es gar nicht darum, jemanden zu belehren oder mich aufzuregen – ich denke mir in so einem Moment einfach nur: Warum? Das ist doch völlig unnötig gefährlich. Da ich das Telefon ohnehin in der Hand hatte, um etwas anderes zu fotografieren, habe ich die Szene kurz festgehalten.
Jetzt mache ich erst einmal eine kurze Orangina-Pause in Orašje, bevor es weitergeht.
Orašje liegt in einer Region, die während des Bosnienkriegs stark vermint wurde. Noch bis vor wenigen Jahren wurden hier riesige Flächen systematisch geräumt – allein im Raum Orašje liefen Projekte mit über 1,2 Millionen Quadratmetern Räumfläche, und noch 2019 galten fast 2 Millionen Quadratmeter als minenverdächtig. Es ist ein mulmiges Gefühl, durch solche historischen Abschnitte zu rollen.
Bis nach Sarajevo sind es jetzt noch ungefähr 350 Kilometer. Ich wünsche euch einen schönen Tag – bis später!
Die Aktivität auf Strava
Distanz: 281,91 Kilometer
Höhenmeter: 1.339 Meter
Bewegungszeit: 11:52:28 Stunden
Gesamtzeit: 16:35:04 Stunden
Gewichtete Leistung: 157 Watt
Start: 30.07.2026, 05:01 Uhr
Gesamtstrecke im Rennen bis hierhin: 3.324,96 Kilometer
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