Falk Döring Randonneur Journal
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TCRNO12 – Tag 14: Vier Länder und saure Beine

1. August 2026

Routinen & Ordnung in den Taschen

Das Hotel gestern war wirklich Gold wert. Ich fühle mich heute Morgen so gut, dass mir die Kilometer vom Vortag eigentlich völlig egal sind. Es war einfach ein richtig guter Tag.

Deshalb gibt es heute mal eine Folge „Dies und Das“. Mein Vater pflegte früher immer zu sagen – er ist Journalist: „Die Zeitung muss jeden Tag gefüllt werden.“ Nach dem Motto machen wir das heute einfach mal und springen durch ein paar Themen.

Mein Tag besteht aus ganz vielen Routinen, die sich über die Jahre entwickelt haben. Sie sind wichtig und ermöglichen letztlich das Leben und Überleben auf dem Rad. Dazu gehört morgens:

  • Kette wachsen
  • Eincremen
  • Kurz Fahrrad checken – funktioniert alles?
  • Akkus laden, egal ob Handy oder andere Geräte
  • Die Route noch einmal durchgehen und überlegen, worüber man etwas diktieren kann

Je besser diese Routinen funktionieren, desto schneller kommt man am Ende voran. Das Hotel gestern war dafür ein gutes Beispiel: Ich war innerhalb von zwei Minuten eingecheckt, in fünf Minuten an der Tankstelle zum Einkaufen und nach zehn Minuten schon oben auf dem Zimmer. Dann kurz mit Katja telefoniert, die restlichen Sachen erledigt – keine halbe Stunde später lag ich im Bett. Das ist schon rekordverdächtig.

Das geht natürlich nur, wenn man ganz genau weiß, wo man hingreifen muss. In meinen Taschen bin ich extrem organisiert. Ich brauche keine zehn Sekunden, um irgendetwas zu finden.

Noch so eine Routine ist bei mir natürlich, die Hose auszuwaschen. Sorry, Carmen, dass ich das schon wieder triggern muss! Und natürlich gehört auch die Hygiene an den intimen Stellen dazu – wirklich wichtig, damit man sich da nichts einfängt.

Zu Johannes' Frage, ob ich Dinge umsonst mitnehme: Ja, in der Reiseapotheke gibt es ein paar Sachen, die ich bisher nicht gebraucht habe. Die möchte ich aber ehrlich gesagt auch gar nicht brauchen.

Kontraste auf den Straßen

Hier in dieser Stadt gibt es Häuser, die mich an die ärmeren Gegenden Brasiliens erinnern. Teilweise zusammengezimmerte Hütten mit Blechdächern, darüber noch eine Plane, mit Steinen beschwert, damit sie nicht wegfliegt, und hier und da einfach noch ein paar Bretter drangenagelt. Das wirkt schon sehr improvisiert.

Und gleichzeitig fahren hier mitten in der Nacht Porsche, Mercedes und BMW durch die Straßen. Wenn man das nebeneinander sieht: krass. Arm und reich liegen hier offensichtlich ziemlich nah beieinander.

Das Hotel selbst hatte keinen besonderen Standard, aber genau das brauche ich auch gar nicht. Es hatte eine Klimaanlage. Als ich reinkam, waren bestimmt 30 Grad im Zimmer. Und innerhalb von zehn Minuten hatte die Klimaanlage das auf ungefähr 20 Grad heruntergekühlt. Das war wirklich angenehm.

Zwei Hundeerlebnisse

Gestern hatte ich noch zwei Hundeerlebnisse:

Das erste war oben auf der Hochebene westlich von Višegrad. Die Landschaft dort oben rund um Han Brdo und Kopito sah wirklich ein bisschen aus wie im Western – eine wahnsinnig schöne Gegend, bevor es in diese Abfahrt nach Višegrad ging. Ich bin ewig hochgefahren. Erst kam ein hartes Gravel-Stück, irgendwann habe ich mich gefragt: „Ist der Anstieg lang?“ Dann der Blick auf den Tracker: Okay, der ist wirklich lang. Krass. Ich musste bestimmt eine Dreiviertelstunde lang hochschieben. An der Kuppe stand ein Haus. Ich habe den Hund alleine im Garten liegen sehen und wusste eigentlich schon, was passiert. Ohne Bellen, ohne Vorwarnung sprang er auf und rannte los. Da es leicht bergab ging: Voll reingetreten. Bei 40 bis 45 km/h kam er nicht mehr hinterher. Im Hintergrund hörte ich noch die Besitzerin schreien. Für so einen Wachhund ist das eben sein Revier – verständlich, aber man muss treten!

Das zweite Erlebnis kam in der Abfahrt auf einem flacheren Stück. Den Hund habe ich nicht einmal gesehen, nur gehört, wie etwas mit den Krallen auf dem Asphalt beschleunigt, direkt gefolgt von fiesem Bellen. Ein mannshohes Tier bei einem Schäferverschlag. Auch hier hatte ich Glück, dass es leicht bergab ging: Zweimal kräftig antreten und weg.

Das ist immer eine Risikoabwägung. Einfach wegzusprinten kann gefährlich sein. Wenn du bei dem Tempo auf die Fresse fliegst, ist das vermutlich schlimmer als das, was der Hund mit dir macht. Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Diesmal ging es zweimal gut.

Was auffällt, sind die freilaufenden Hunde – und wie manche Autofahrer überholen. An gefährlichen Stellen fahre ich bewusst weiter links, also eher zur Mitte der Fahrbahn. Dann müssen die Autos richtig überholen und meistens komplett auf die andere Spur wechseln. Das ist nicht besonders nett, aber es hilft mir beim Überleben. An allen anderen Stellen versuche ich, so weit rechts wie möglich zu fahren. Das habe ich letztes Jahr auch Manu ein bisschen gezeigt (hoffe, er verzeiht mir, wenn das damals etwas oberlehrerhaft rüberkam). Du musst versuchen, Dominanz auf der Straße herzustellen: Mit Mimik, Gestik und Körpersprache zeigen, dass du da bist. Ich winke, gestikuliere, schaue die Leute an. Wenn ich in einen Kreisverkehr fahre und von rechts kommt einer, zeige ich kurz ein Stoppzeichen. Nicht um Vorfahrt einzufordern, sondern damit er mich wahrnimmt: „Hey, hier ist ein menschliches Wesen.“

Durch Serbien, Montenegro und den Kosovo

Grenzübertritt nach Serbien erledigt, Tageseinkauf gemacht – wilder Ritt hier über den Balkan!

Ich bin gerade völlig überwältigt von der Schönheit hier. Das Hochland in Serbien rund um den Trojan-Felsen ist einfach unglaublich. Ein halber Tag durch unendliche Weiten, dazu wirklich anspruchsvolle Anstiege. Es geht permanent hoch und runter. Man hat das Gefühl, überhaupt nicht voranzukommen, obwohl man ununterbrochen tritt.

Nach dem Grenzübertritt nach Montenegro bin ich in ein richtiges Energieloch gefallen. Das passiert mir eher selten. Jetzt heißt es wieder: konsequent essen und trinken.

Mein Kopf ist inzwischen erstaunlich leer. Und das ist tatsächlich ein sehr befriedigendes Gefühl.

Heute hatte ich zwei Telefonate: Einmal mit Katja, da habe ich ehrlich gesagt ein bisschen gejammert, weil meine Beinmuskulatur inzwischen ordentlich übersäuert ist. Und dann mit meiner Mama, ihr habe ich erzählt, wie gut es mir geht. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen.

Körperlich geht es mir insgesamt wirklich gut. Nacken, Arme, Beine – alles problemlos. Ich hatte schon ganz andere Ultras, bei denen ich deutlich schlechter beieinander war. Vor allem habe ich keinerlei Taubheitsgefühle und selbst mein Hintern ist noch einigermaßen in Ordnung. Da hat das Bikefitting wirklich viel gebracht. Außerdem achte ich deutlich stärker auf die Elektrolytzufuhr. Ob das wissenschaftlich genau der Grund ist oder ein bisschen Placebo: Fakt ist, seit ich das konsequent mache, geht es mir auf dem Rad deutlich besser.

Trotzdem ist heute ein harter Tag. Jeder Tritt geht in den sauren Muskel. Jetzt heißt es einfach: beißen.

Das eigentliche Problem sind die vielen Höhenmeter. Ich habe meiner Mama vorhin gesagt: Bitte sag nicht, dass es nicht mehr weit ist. Natürlich sind 1.050 Kilometer im Verhältnis nicht mehr viel, aber im Rennen fühlt sich das überhaupt nicht so an. Am Berg fehlt die letzte Spritzigkeit. Heldentaten sind keine mehr drin, also konzentriere ich mich darauf, regelmäßig zu essen, die Anstiege ruhig hochzukurbeln und mich über jede Abfahrt zu freuen.

Die Abfahrt in den Kosovo war dann der Hammer! Es war so heiß, dass die Füße geschwitzt haben und das Wasser im Schuh nicht wegkonnte, weil er relativ wasserdicht ist. Ich hatte mich schon gewundert, warum mir die Füße so weh tun.

Tagesfazit: Thunfischpizza mit Eigenbeilage in Gjakova

Ich bin im Kosovo in Gjakova angekommen und habe im Hotel eingecheckt. Am Ende sind es doch knapp 292 Kilometer geworden. Wenn ich mir die Höhenmeter anschaue und wie ich mit komplett sauren Beinen hochgekurbelt bin, bin ich selbst überrascht. Unterwegs habe ich einen Polen getroffen, der wegen der Hitze schon nach 120 Kilometern Schluss gemacht hat. Das zeigt ganz gut, wie die Bedingungen hier gerade schlauchen.

Zum Schluss noch eine kleine Geschichte: Vor dem Einchecken wollte ich unbedingt noch etwas essen und habe an einer Pizzeria gefragt, ob sie mir noch eine Pizza machen können. „Ja, klar!“ (Hier im Kosovo sprechen übrigens erstaunlich viele Menschen Deutsch, echt beeindruckend).

Ich bestelle eine Thunfischpizza. Nach zwei Minuten kommt der Kellner etwas verlegen zurück: Der Koch habe festgestellt, dass der Thunfisch aus ist.

Da musste ich lachen: „Kein Problem!“ Ich hatte mir mittags selbst noch eine Dose Thunfisch gekauft, habe sie ihm einfach in die Hand gedrückt und gesagt: „Nehmt einfach die.“ Und so habe ich am Ende doch noch meine Thunfischpizza bekommen.

Ich habe in den letzten Tagen darauf geachtet, wieder etwas mehr Eiweiß zu essen. Fleisch gab es eher wenig, deshalb kamen heute noch ordentlich Käse, der Thunfisch und ein Stück Schinken drauf. Vielleicht hilft das der Muskulatur ein bisschen. Schaden wird es nicht.

Morgen geht es weiter: 60 bis 70 Kilometer bis zur Grenze nach Nordmazedonien, kurz durch, und dann wieder nach Albanien Richtung Checkpoint 4. Ob ich den morgen schon erreiche, bezweifle ich wegen der Höhenmeter, aber das werde ich sehen.

Jetzt heißt es schlafen. Das frühe Schlafengehen und um vier Uhr wieder loszufahren hat sich absolut bewährt. In der kühlen Morgenluft fährt es sich einfach am besten.

Gute Nacht!

Die Aktivität auf Strava

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  • Distanz: 291,92 Kilometer
  • Höhenmeter: 4.283 Meter
  • Bewegungszeit: 14:14:02 Stunden
  • Gesamtzeit: 19:07:41 Stunden
  • Gewichtete Leistung: 183 Watt
  • Start: 01.08.2026, 06:04 Uhr
  • Gesamtstrecke im Rennen bis hierhin: 3.836,83 Kilometer

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