Falk Döring Randonneur Journal
← Zurück zum Blog

Blog

TCRNO12 – Tag 3: Jotunheimvegen, Gegenwind und endlich im Rennen angekommen

21. Juli 2026 · Transcontinental Race · TCR · TCRNo12 · UltraCycling

Die Nacht war ausgezeichnet. Ich hatte tatsächlich sechs Stunden geschlafen, war warm, frisch geduscht und wieder fahrbereit. Viel besser konnte es eigentlich nicht laufen.

Vor mir lagen noch ungefähr 30 Kilometer bis zum zweiten Parcours. Also ging es wieder aufs Rad und zunächst weiter bergauf.

Die letzten 700 Höhenmeter bis hinauf aufs Fjell waren dann jede Anstrengung wert. Der Parcours war einfach traumhaft schön. So eine Landschaft erlebt man nicht alle Tage.

Erstaunlich ist, wie viel hier los ist. Viele Camper, viele Tagestouristen. Das bin ich von solchen Strecken gar nicht gewohnt, aber es ist absolut nachvollziehbar. Wenn man einmal hier oben war, weiß man warum.

Danach ging es zunächst lange bergab. Unten am Supermarkt versorgte sich gefühlt das halbe TCR-Feld – sogar die Fotografen des Rennens waren dort unterwegs. Mein Wasservorrat war fast aufgebraucht: Von den vier Litern war nur noch ungefähr ein halber Liter übrig. In etwa 20 Kilometern sollte aber der nächste Ort kommen.

Zum Glück hatte ich am Vorabend noch eingekauft. Abendessen hatte ich kaum noch herunterbekommen, weil ich einfach komplett satt war. Bei einem Rennen wie diesem nimmt man über den ganzen Tag aber so viele Kohlenhydrate und Zucker auf, dass die Energiespeicher trotzdem ganz gut gefüllt sind.

Am Morgen kam der Appetit dann wieder zurück. Vor allem das Red Bull erwies sich als goldrichtig.

Unterwegs habe ich übrigens Nora wieder getroffen. Ich hatte für ein Red Bull angehalten, dadurch fuhr sie an mir vorbei. Später holte ich sie auf einem flacheren Abschnitt wieder ein.

Wir haben unsere kleine Timebox genutzt, uns ungefähr zehn Minuten unterhalten und kurz abgeglichen, ob bei uns beiden alles passt.

Länger machen wir das ganz bewusst nicht. Beim Transcontinental Race soll schließlich jeder sein eigenes Rennen fahren. Unsere Regel ist inzwischen: Sobald es sich nach einer richtig schönen gemeinsamen Zeit anfühlt, war es wahrscheinlich schon zu lange. Dann fährt jeder wieder sein eigenes Rennen.

Danach hatte ich richtig gute Beine. Auf dem Trail habe ich noch einige Fahrer überholt und war einfach nur glücklich, hier unterwegs sein zu dürfen. Die Landschaft war unglaublich, die Stimmung gut – genau so durfte es gerne weitergehen.

Später stand eine wichtige Routenentscheidung an: links oder rechts. Ich habe mich bewusst für die längere Alternativroute entschieden. Sie war ungefähr 50 Kilometer länger, sparte mir dafür aber rund 1.000 bis 1.200 Höhenmeter. Das passte deutlich besser zu meinem Fahrprofil. Unterm Strich dürfte sich das zeitlich kaum etwas nehmen.

Ganz einfach wurde es trotzdem nicht. Die große Straße, der Verkehr und vor allem der heftige Gegenwind machten die Strecke ziemlich zäh.

Gegen Wind kannst du nicht kämpfen. Gegen Wind musst du versuchen zu überleben. Also einfach ruhig bleiben, die Leistung niedrig halten und sauber durchgleiten.

Es bringt überhaupt nichts, hier mit 230 Watt gegen den Wind anzufahren, nur um ein paar km/h schneller zu sein und dafür unnötig Körner zu verbrennen. Also blieb ich kontrolliert und arbeitete mich weiter Richtung Checkpoint vor.

Vor dem Abend kaufte ich noch einmal für die Nacht und den nächsten Morgen ein. Die Supermärkte, die jetzt noch kommen würden, hätten längst geschlossen, wenn ich dort angekommen wäre. Damit war ich gut versorgt – auch schon für den Rallarvegen. Zucker hatte ich ohnehin noch genug dabei.

Am Ende standen 302 Kilometer und 3.583 Höhenmeter auf der Aktivität. Vor allem aber fühlte es sich so an, als wäre ich jetzt wirklich im Rennen angekommen. Der Körper funktionierte, der Kopf war wieder sortiert und die Beine liefen.

Spät am Abend erreichte ich Checkpoint 1 in der Gegend rund um Flåm. Ich machte mir noch ein alkoholfreies Bier auf und beschloss, für heute Schluss zu machen.

23:19 Uhr war eine vernünftige Zeit, um aufzuhören. Noch in den nächsten Parcours hineinzufahren, ergab keinen Sinn mehr. Lieber vernünftig schlafen und am nächsten Morgen ausgeruht starten.

Der Wecker stand auf fünf Uhr. Morgen ging es weiter.

Die Aktivität auf Strava

TCR Tag 3 auf Strava ansehen

  • Distanz: 301,99 Kilometer
  • Höhenmeter: 3.583 Meter
  • Bewegungszeit: 14:30:57 Stunden
  • Gesamtzeit: 17:38:12 Stunden
  • Gewichtete Leistung: 153 Watt
  • Gesamtstrecke im Rennen bis hierhin: 730,99 Kilometer
  • Start: 21.07.2026, 05:38 Uhr (Europe/Oslo)

Rückblickend waren die ersten drei Fahrtage vor allem eine Übung darin, den eigenen Rhythmus zu finden: schlafen, wenn der Körper es braucht, die Leistung kontrollieren, nicht jeden Zeitverlust sofort bekämpfen und bei den Routenentscheidungen die Gesamtstrecke im Blick behalten.

Jetzt fühlte es sich zum ersten Mal so an, als würden diese Dinge ineinandergreifen.

Strecke auf der Karte

Strecke wird geladen …

Aktivität auf Strava öffnen