Falk Döring Randonneur Journal
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TCRNO12 – Tag 7: Back on Track in Polen

25. Juli 2026

Nach der langen Überfahrt ging es wieder aufs Fahrrad – ich war zurück im Rennen. Die Fähre lief pünktlich um 12 Uhr in Danzig ein. Um 11:58 Uhr war ich bereits von Bord, verabschiedete mich noch von Moritz und Elias, mit denen ich eine wirklich tolle Zeit auf der Fähre hatte, und um 12:01 Uhr saß ich wieder auf dem Rad. Besser hätte das kaum laufen können.

In Danzig fand an diesem Tag ein großes Fest statt. Wie ich später erfuhr, war es die Eröffnung des 766. Dominikanermarkts, des Jarmark św. Dominika – eines der ältesten und größten Freiluftfeste Europas. Die Zeremonie hatte genau um 12 Uhr vor dem Artushof am Langen Markt begonnen. Es gab Carillon-Musik, Tänzer, Akrobaten, die traditionelle Übergabe des Stadtschlüssels und kurz darauf eine große Parade durch die Innenstadt.

Natürlich führte mein Track genau mitten hindurch. Gegen 12:30 Uhr stand ich zwischen Besuchern, Ständen und der gerade gestarteten Parade praktisch im Zentrum des Geschehens. Mehr als 700 Stände waren über die Innenstadt verteilt, dazu ein Programm über drei Wochen.

Aber der Track wird gefahren, da wird nicht diskutiert. Also schob ich das Rad ungefähr zwanzig Minuten durch die Menschenmengen. Für uns wird schließlich keine Straße gesperrt – im Gegenteil: Wir sind diejenigen, die Rücksicht nehmen müssen.

Auch aus Danzig heraus blieb die Routenplanung anspruchsvoll. Ich versuche penibel, auf den freigegebenen Straßen und Radwegen zu bleiben, weil es hier einige gesperrte Abschnitte gibt und ich mir keinen Regelverstoß erlauben darf. An einer Baustelle waren offiziell nur Fußgänger zugelassen. Alle anderen Radfahrer fuhren einfach durch – ich schob brav.

Etwa 30 bis 40 Kilometer südlich von Danzig gab es früher noch einen kurzen Abschnitt auf einer gesperrten Bundesstraße. Ich hatte mir vorab auf Google Street View angesehen, dass dort gebaut wurde, und gehofft, dass die neue Querung inzwischen fertig ist. Genau so war es: Statt auf der Bundesstraße zu fahren, konnte ich sie einfach überqueren. Weiter südlich gibt es noch einen Bahnübergang, den Lost ausdrücklich freigegeben hat, weil es dort keine vernünftige Alternative gibt. Darüber bin ich ehrlich gesagt ziemlich froh.

Seit ich in Polen bin, ist meine Route außerdem nicht mehr ganz so einzigartig. Während ich in Schweden und über weite Teile Norwegens mit meiner Planung praktisch allein unterwegs war, fahren hier inzwischen mehrere andere eine ähnliche Linie – unter anderem Nora, der Finne und zwei oder drei weitere Fahrer.

Momentan geht es durch viel Wald und über kleine, ruhige Straßen. Polen fährt sich bislang wirklich angenehm, und ich hatte bisher überhaupt keinen Stress. Die Temperaturen liegen bei ungefähr 25 Grad. Mittags war es zunächst leicht bewölkt, später klarte der Himmel auf. Eigentlich perfektes Radfahrwetter. Die Straßen wechseln ständig – mal frisch asphaltiert, mal alt und voller Flickstellen –, aber insgesamt lässt sich alles gut fahren.

Ein paar kleine Wehwehchen gibt es natürlich immer, krank bin ich aber nicht. Genau das ist im Moment das Wichtigste. Die lange Pause auf der Fähre hat mir unglaublich gutgetan: Die wunde Stelle hat sich deutlich verbessert, und auch Rücken und Nacken fühlen sich besser an. Das Rennen kann von Neuem beginnen.

Noch eine kleine Geschichte von der Fähre – diesmal geht es um künstliche Intelligenz

Viele fragen mich inzwischen, wie ich eigentlich diese ganzen Texte unterwegs schreibe. Die Antwort ist eigentlich ziemlich einfach: Ich diktiere fast alles.

Seit ungefähr einem Jahr experimentiere ich sehr intensiv mit künstlicher Intelligenz. Der Hintergrund ist allerdings ein anderer, als viele vielleicht vermuten. Vielleicht wissen einige von euch, dass ich eine ziemlich ausgeprägte Rechtschreibschwäche habe. Ich kann dasselbe Wort problemlos auf drei verschiedene Arten falsch schreiben.

Das ist einfach so.

Für mich ist KI deshalb ein absoluter Gamechanger – nicht, weil sie meine Gedanken übernimmt. Ganz im Gegenteil. Alle Gedanken, Eindrücke und Geschichten stammen von mir. Ich diktiere sie während der Fahrt. Die KI bekommt im Prinzip nur drei Regeln: Verändere meinen Ton nicht, kürze meine Aussagen nicht und verändere meine Inhalte nicht. Sie hilft mir lediglich dabei, die Texte sprachlich zu strukturieren und meine Rechtschreibfehler zu korrigieren.

Bevor irgendein Text veröffentlicht wird, lese ich ihn vollständig selbst und gebe ihn frei.

Auf der Fähre ist damit allerdings etwas passiert, das eigentlich ziemlich unschön war.

Meine WhatsApp-Verbindung zu meinem Rechner zu Hause hatte sich verabschiedet. Das war zunächst einmal eine kleine Katastrophe, denn über diesen Rechner laufen nicht nur die Texte, sondern auch einige Werkzeuge, die ich für Navigation und andere Dinge unterwegs nutze.

Ich musste also einen anderen Weg finden und habe mein aktuelles Telefon direkt mit meinem Backend verbunden. Das hat grundsätzlich auch funktioniert.

Was ich dabei allerdings nicht bedacht hatte: Mein Bot war ursprünglich so programmiert, dass er auf direkte Nachrichten antworten konnte. Bisher konnte das nie passieren, weil er gar keinen Zugriff auf mein Telefon hatte. Durch die neue Verbindung hatte er diesen Zugriff plötzlich.

Thomas Hynk hatte mir auf eine Nachricht geantwortet und gefragt, warum ich genau diese Route gewählt habe. Und plötzlich erschien eine grüne Nachricht – also eine Nachricht von meinem Account.

Sinngemäß stand dort: „Das musst du denjenigen fragen, der die Route gewählt hat.“

Ich habe die Nachricht gesehen und zuerst überhaupt nicht verstanden, was da gerade passiert war. Mein erster Gedanke war tatsächlich, dass ich gehackt worden bin.

Bis mir eingefallen ist: Moment mal … Das war mein Bot!

Um sicherzugehen, habe ich Michael Pelz gebeten, mir testweise eine Nachricht zu schicken. Er hat das gemacht – und der Bot hat sofort wieder geantwortet.

Damit war die Ursache klar: Durch die neue Kopplung hatte der Bot plötzlich einen Kommunikationsweg bekommen, den ich beim Entwickeln überhaupt nicht vorgesehen hatte.

Zum Glück kann ich meinen Rechner zu Hause komplett per Sprache steuern. Ich kann also nicht nur Texte diktieren, sondern meinem System auch Programmier- und Administrationsbefehle geben. Also habe ich unterwegs einen Quick Fix eingebaut und den Bot angewiesen, ausschließlich noch in meinem Owner-Chat auf meiner privaten Telefonnummer zu sprechen.

Im Moment scheint das Problem behoben zu sein. Ich bin mir allerdings noch nicht hundertprozentig sicher. Sollte so etwas noch einmal passieren, muss ich der Sache weiter nachgehen und es sauber beheben.

An dieser Stelle möchte ich mich deshalb ausdrücklich bei Thomas entschuldigen: Diese Antwort kam nicht von mir, sie kam von meinem Bot.

Und genau das hätte niemals passieren dürfen.

Zum Schluss vielleicht noch ein Gedanke dazu: Ja, ich nutze künstliche Intelligenz. Ja, ich programmiere viel. Und ja, ich habe mir über die Jahre einige Werkzeuge gebaut, die mir das Leben leichter machen.

Aber all diese Technik nimmt mir weder das Rennen ab noch die Erlebnisse.

Die Gedanken sind meine, die Entscheidungen treffe ich, die Schmerzen spüre ich und die Freude empfinde ich genauso. KI hilft mir lediglich dabei, meine Erlebnisse mit euch zu teilen – erleben muss ich sie immer noch selbst.

Trotzdem fahre ich bewusst nicht an meiner Leistungsgrenze. Gerade heute mit dem starken Gegenwind könnte ich mich komplett verausgaben und wäre trotzdem kaum schneller. Also bleibe ich bei meinem Rhythmus und fahre mein Rennen.

Ich habe inzwischen eingekauft und bin bis morgen früh inklusive Frühstück versorgt. Die kommende Nacht werde ich wieder irgendwo draußen verbringen – und darauf freue ich mich tatsächlich schon sehr. In Skandinavien habe ich jede einzelne Nacht draußen geschlafen, manche davon waren richtig kalt. Für solche Bedingungen habe ich mein komplettes Outdoor-Equipment dabei. Das zusätzliche Gewicht schleppe ich nicht ohne Grund mit: Es sorgt dafür, dass ich auch kalte Nächte gut überstehe. Umso mehr freue ich mich jetzt auf die erste deutlich wärmere Nacht in Polen.

Jetzt geht es erst einmal weiter. Danach stehen die Slowakei und Jasná an, bevor wieder meine eigene Routenplanung Richtung Jablunkov beginnt. Aber so weit denke ich noch gar nicht. Jetzt freue ich mich auf eine ruhige Nacht irgendwo in Polen – und morgen darauf, meinem nächsten großen Ziel wieder ein Stück näher zu kommen.

Die Aktivität auf Strava

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  • Distanz: 228,89 Kilometer
  • Höhenmeter: 1.199 Meter
  • Bewegungszeit: 10:00:51 Stunden
  • Gesamtzeit: 11:56:39 Stunden
  • Gewichtete Leistung: 153 Watt
  • Gesamtstrecke im Rennen bis hierhin: 1.860,04 Kilometer

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